25.01.2022

Run auf Grün: Lockdown, Homeoffice, Reisebeschränkungen – Pandemie sorgt für Rekordumsätze im Gartenbau

Marktanalyse zeigt: Ausgaben für Blumen und Pflanzen steigen

Normalerweise wäre heute die IPM ESSEN gestartet. Das Who’s who der internationalen Gartenbauindustrie hätte sich in der Messe Essen in den kommenden vier Tagen über Trends und Innovationen ausgetauscht. Die Covid19-Pandemie hat eine Durchführung der Weltleitmesse leider nicht zugelassen. Welche Entwicklungen die grüne Branche in den letzten zwei Jahren genommen hat, zeigt eine von der IPM ESSEN beauftragte Marktanalyse. Hier die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Die Corona-Pandemie ließ viele ihre Liebe zur Natur, zu Blumen und Pflanzen wieder oder neu entdecken. Lockdowns und Reisebeschränkungen machten die Urlaubs- und Freizeitgestaltung außerhalb der eigenen vier Wände schwierig bis unmöglich, so dass stattdessen das eigene Zuhause, der eigene Garten oder Balkon zu Orten der Erholung und Entspannung wurden.

Hunger auf Blumen und Pflanzen

Für die Gestaltung der heimischen Wohlfühloase griff man gerne etwas tiefer in die Tasche als üblich. Eine junge Erstkundschaft sorgte für zusätzliche Umsätze. 2020 lag das Marktvolumen laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft bei rekordverdächtigen 9,44 Milliarden Euro – 5,2 Prozent mehr als 2019. Gaben die Deutschen 2019 noch durchschnittlich 108 Euro pro Kopf für lebendes Grün aus, waren es 2020 bereits 113 Euro und 2021 schließlich 124 Euro. Dass während der Pandemie ein regelrechter Hunger auf Blumen herrschte, zeigte sich deutlich im April 2021. Nachdem der Blumenfachhandel nach dem Lockdown wieder bundesweit öffnen durfte, stiegen die Ausgaben für Schnittblumen um 24 Prozent laut dem Pflanzenpanel der Gesellschaft für Konsumforschung und dem Marktreport des Verbands des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels.

Grüne Zimmerpflanzen weiterhin auf dem aufsteigenden Ast

Der sich schon vor der Pandemie abzeichnende Urban-Jungle-Trend gipfelte durch den Lockdown und das verstärkte Arbeiten im Homeoffice in einem regelrechten Hype auf grüne Zimmerpflanzen. Die beliebte, großblättrige Monstera verzeichnete beispielsweise im September 2021 ein Umsatzplus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Royal FloraHolland). Eine Umfrage des Blumenbüros Holland in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien brachte hervor, dass 68 Prozent der Befragten ganz bewusst Pflanzen am Schreibtisch platzieren. 26 Prozent gaben an, erst während der Pandemie Pflanzen für den Arbeitsplatz gekauft zu haben. 17 Prozent wollen auch zukünftig das Homeoffice weiter mit Pflanzen ausstatten.

Gärten, Parks und Wälder als geschätzte Wohlfühloasen

Dass lebendiges Grün einen immer höheren Stellenwert im gesellschaftlichen Leben einnimmt, bestätigt auch eine Erhebung der Hochschule Geisenheim (2020 nach dem Lockdown). Demnach sind Menschen mit eigenem Garten zufriedener. Auch öffentliche Grünanlagen nahmen deutlich an Bedeutung zu. Durchschnittlich neun Stunden pro Woche verweilten die Befragten ohne eigenen Garten in Parks und Wäldern. Sogar die Hälfte der Gartenbesitzer verbrachte zusätzlich zu acht Stunden Gartenarbeit neun Stunden pro Woche in öffentlichen Anlagen. Im Vergleich zu 2019 hat sich die Verweildauer im Grünen fast verdoppelt.

Nach der Pandemie: Der Run auf Pflanzen geht weiter

Es gibt Anzeichen, dass das Interesse an Grün auch nach der Pandemie steigen wird. Allein wegen des immer präsenter werdenden Klima- und Umweltschutzes fallen Biodiversität und nachhaltige Ernährung mehr ins Gewicht. Für 2022 erwartet die Branche, dass insektenfreundliche und blühstarke Pflanzen, Gemüsepflanzen und Naschgehölze sowie grüne Zimmerpflanzen weiterhin zu den Gewinnern zählen werden. Ebenso ist der Kauf von Blumen und Pflanzen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Der Jahresbericht des Industrieverbands Gartenbau wie auch Beobachtungen der Blumengroßmärkte in Deutschland bestätigen, dass die Deutschen, als 2021 das Reisen wieder einfacher wurde, Blumen und Pflanzen auf dem gleichen hohen Niveau wie 2020 kauften.

Der produzierende Gartenbau freut sich über die rege Nachfrage, der Gewinn entwickelt sich jedoch nicht in gleichem Maße wie der Umsatz. Obwohl die Kundschaft während der Pandemie höhere Preise – durchschnittlich zehn Prozent mehr laut Expertenschätzungen – anstandslos akzeptierte, konnten die Mehreinnahmen die gestiegenen Produktions- und Logistikkosten nicht wettmachen. Lieferengpässe, Rohstoffknappheit und Personalmangel zählen zu den Gründen. 2020 hatten 33 Prozent der deutschen Gartenbaubetriebe trotz des enormen Umsatzes einen deutlich geringeren Gewinn als 2019, wie Auswertungen des Zentrums für Betriebswirtschaft im Gartenbau Hannover offenlegten. Weitere Preissteigerungen sind also wahrscheinlich.

 

 

Hinweis

Der vollständige Marktbericht (Autor: Andreas Löbke, Agentur CO CONCEPT, im Auftrag der IPM ESSEN) steht auf www.ipm-essen.de zur Verfügung.

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